
KI hilft nicht allein: Warum Digitalisierung und Milliarden-Investitionen die Wartezeiten auf Arzttermine nicht verkürzen
Viel Geld, große Hoffnung – und doch keine Lösung in Sicht: Mit der Einführung des Terminservice- und Versorgungsgesetzes (TSVG) im Jahr 2019 wollte die Politik den Zugang zu ärztlicher Versorgung für gesetzlich Versicherte gerechter und schneller machen. Extrabudgetäre Zuschläge und digitale Vermittlungsstellen sollten dafür sorgen, dass Patient:innen unkomplizierter an Termine kommen. Ganze 2,9 Milliarden Euro wurden bis Mitte 2024 zusätzlich investiert. Doch die Fakten sind ernüchternd: Anstatt Wartezeiten zu verkürzen, hat sich laut Bundesrechnungshof die Situation sogar verschlechtert – die durchschnittliche Wartezeit stieg von 33 auf 42 Tage.
Warum wirkt die Digitalisierung bisher so wenig?
1. KI und digitale Lösungen lösen keine Strukturprobleme ⚠️
Zwar gibt es mittlerweile digitale Terminservices und erste Ansätze für Automatisierung und KI-unterstützte Vergabeprozesse. Trotzdem bleiben die grundlegenden Engpässe bestehen: Es fehlen ausreichend Fachärzt:innen, besonders in ländlichen Regionen. Die Verteilung von Terminen bleibt oft starr und orientiert sich an alten Prozesswegen. Hausarztpraxen und Spezialist:innen arbeiten noch zu wenig integriert, viele Prozesse sind weiterhin analog oder abgekoppelt.
2. Fehlanreize verhindern Effizienz
Mit dem TSVG wurden finanzielle Anreize geschaffen, die in der Praxis dazu führen, dass Ärzte vor allem Termine für dringliche Fälle vergeben, um das Extrahonorar zu erhalten – oft auf Kosten der Routinefälle und mit mehr Bürokratie für die Patient:innen.
3. Mehr Kontakte, aber nicht mehr Versorgung
Patient:innen müssen häufig zusätzliche Wege gehen, etwa zuerst beim Hausarzt eine Dringlichkeitsbescheinigung einholen. Das sorgt für mehr (oft unnötige) Arztkontakte, aber nicht für schnellere oder bessere Behandlung.
Was braucht es neben KI und Digitalisierung ⚠️
Digitalisierung und Künstliche Intelligenz sind wichtige Werkzeuge, aber sie entfalten ihre Wirkung nur in einem gut strukturierten Gesundheitssystem.
Damit Patient:innen tatsächlich profitieren, braucht es:
- 👍 Koordinierte Integration von Haus- und Fachärzten
- 👍 Transparente, nutzerzentrierte digitale Tools und smarte Schnittstellen
- 👍 Mut zur Reform: ein Umlenken der finanziellen Anreize
- 👍 Stetige Evaluation und Nachsteuerung
Fazit:
KI und digitale Angebote können das Gesundheitssystem modernisieren. Ohne grundlegende Strukturreformen und die Beseitigung von Fehlanreizen bleiben sie jedoch wirkungslos. Es ist Zeit, die Digitalisierung endlich zu Ende zu denken – und Patient:innen wirklich in den Mittelpunkt zu stellen.